Was tun an Regentagen?

Wenn du, so wie ich, keine Halle zur Verfügung hast, können Regentage einem echt die Laune vermiesen. Hier hat es heute Nacht so viel geregnet, dass unser toller Platz doch das Handtuch geschmissen hat. Und es regnet immer noch. Nützt ja nix. Irgendwas will ich aber heute noch mit meinem Pferd machen!
An solchen Tagen nutze ich dann unsere Putzbox und mache Training auf kleinstem Raum. Mittlerweile habe ich ein Repertoire an Übungen, die sehr effektiv sind. Sie sprechen bestimmte Muskelpartien an, schulen das Gleichgewicht und/oder fördern die Konzentration.
Eine dieser Übungen möchte ich euch heute vorstellen und zwar das Stehen auf Balance-Pads.
Es gibt mittlerweile einige Anbieter am Markt, die solche Balance-Pads herstellen und verkaufen.
Wir haben bei uns im Stall die Thera-Band Stabilität Trainer Blau (Affiliate-link) und sind mit diesen sehr zufrieden.

Ta Shunka auf Balance-Pads

Ziel dieser Übung ist die Stärkung und Aktivierung der Tiefenmuskulatur. Diese liegt z.B. dicht an der Wirbelsäule und verbindet die einzelnen Wirbelkörper miteinander. Sie ist unter anderem für geschmeidige Bewegungen zuständig. Je besser diese Muskulatur trainiert ist, desto besser und schneller kann unser Pferd auf unsere Hilfengebung reagieren.

Diese Übung kannst Du auch machen ohne viel Geld auszugeben. Und zwar nimmst du dir für den Anfang 2 ausgediente Handtücher (später brauchst Du vier) und faltest diese zu Quadraten zusammen.

Danach stellst du jeweils ein Vorderbein deines Pferdes auf eines der gefalteten Handtücher.

Solltest du ein Pferd haben, welches es ganz gruselig findet, sich auf ein Handtuch zu stellen, übe erstmal nur mit einem Handtuch. Mit viel Geduld und Lob. Ich gehe am Anfang wie folgt vor: Ich nehme ein Bein des Pferdes hoch und platziere das Handtuch an der Stelle, an der ich das Bein wieder absetzten will. Dann lasse ich das Pferd das Bein wieder abstellen, indem ich es ganz langsam Richtung Boden mit der Hand begleite. Oft tippen die Pferde dann mit der Hufspitze das Handtuch an und ziehen den Huf verwundert wieder hoch. Auch wenn der Huf hart und gefühllos scheint, die Pferde merken ganz genau, dass der Untergrund sich verändert hat. Einige Pferde halten jetzt das Bein hoch, da sie sich nicht mehr trauen, das Bein abzusetzen, oder sie fangen an zu scharren, um den Boden zu „untersuchen“. Beides lasse ich kurz gewähren, dann motiviere ich das Pferd dazu, sein Bein wieder auf das Handtuch zu stellen. In dem Moment, in dem das Pferd das Handtuch berührt, lobe ich. Mein bevorzugtes Lobwort ist „braaaav“. Bei Pferden, die nicht zur Schnappschildkröte werden, lobe ich auch mal mit einem Leckerli. Wichtig ist der richtige Moment! Das Pferd muss verstehen, dass das Lob zum Berühren des Handtuchs gehört. Das Timing ist also entscheidend. So fordere ich das Pferd Stück für Stück auf, seinen Huf auf das Handtuch zu stellen. Hat es den Huf einmal kurz abgestellt, freue ich mich und lobe es über den Klee hinaus, auch wenn es den Huf im selben Moment schon wieder runter nimmt. Mein Lob kam ja in dem Moment, indem der Huf auf dem Handtuch stand.

Bei Pferden, die das Handtuch so gruselig finden, dass sie sich lieber in Luft auflösen würden anstatt das Handtuch zu berühren, gehe ich noch einen Schritt zurück und hebe das Handtuch an den aufgenommenen Huf. Wenn das Pferd das akzeptiert, lasse ich den Huf mitsamt Handtuch langsam wieder runter. Oder ich klappe das Handtuch erstmal weiter auseinander, damit der Untergrund nicht gleich so wackelig ist. So arbeite ich mich weiter voran, bis das Pferd ohne Angst auf dem Handtuch stehen kann.
Manche Pferde stellen zwar den Huf mit der Spitze auf das Handtuch, trauen sich dann aber nicht den Huf zu belasten. Diese Pferde ziehe ich ganz sanft am Widerrist auf die Seite, auf der sie den Huf belasten sollen und animiere sie so, ihr Gewicht auf das Bein zu verlagern.
Wenn es dann brav auf dem einen Handtuch steht, versuche es mit dem zweiten Handtuch. Hier gehe ich genauso vor, wie bei dem ersten Bein. Wichtig, lasse dir und deinem Pferd Zeit! Das Wetter ist schon blöd genug, da müsst ihr jetzt nicht auch noch streiten. 😉

Ta Shunka auf Handtüchern

Für die Pferde ist es übrigens sehr anstrengend, auf den Handtüchern oder den Pads zu stehen. Wenn ich mit einem neuen Pferd anfange mit den Pads zu üben, steht es die ersten Male nur bis zu einer Minute darauf. Bei sehr unbemuskelten oder verspannten Pferden reichen mir ein paar Sekunden. Ich wiederhole das Draufstehen dann ein paar mal. Bitte unterschätze nicht, was innerhalb des Körpers passiert. Wenn dein Pferd ganz brav auf den Handtüchern steht schicke es nach kurzer Zeit schon wieder runter und verlängere die „Draufstehphase“ Stück für Stück. Sollte dein ungeübtes Pferd die ersten Male zu lange auf den Pads stehen, droht heftiger Muskelkater.

Wenn dein Pferd gelernt hat, auf den Pads oder Handtüchern einige Zeit zu stehen, kannst du es am Widerrist ganz leicht schaukeln. Du kannst dann gut beobachten wie sich z.B. die Brustmuskulatur an- und abspannt.
Wenn die Vorderbeine kein Problem mehr sind und du das Draufstehen auf einige Minuten ausgedehnt hast, kommen die Hinterbeine dran. Auch hier gewöhne dein Pferd wieder ganz langsam an die Handtücher. Wenn du die ersten Male an den Hinterbeinen arbeitest, lass die Handtücher unter den Vorderbeinen weg. Läuft es mit den Hinterbeinen auch gut, stelle alle 4 Beine auf die Handtücher. Jetzt kannst du sehen, wie dein Pferd mit seinem Körper arbeitet. Einige Pferde fangen sogar an, sich selber auf den Handtüchern hin und her zu schaukeln.
Schaukelt dein Pferd nicht von alleine, kannst du sanft nachhelfen und dein Pferd am Widerrist oder an der Schweifrübe langsam hin und her schaukeln.

Afri Cano auf 4 Balance-Pads

Ich wünsche Euch ganz viel Spaß dabei. Schreibt mir doch, wie es bei Euch geklappt hat und wenn Ihr noch Fragen habt, immer her damit.

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