natürliche Schiefe

Eines meiner Lieblingsthemen ist die natürliche Schiefe des Pferdes. Nichts ist beim Reiten so essentiell, wie die Geraderichtung des Pferdes!
Aber ist mein Pferd schief? Wenn ja, wo und wie?

Weißt du, auf welcher Seite dein Pferd schief ist?
In der Literatur gibt es verschiedene Erklärungsansätze und Begrifflichkeiten.
Ich finde die Beriffe „hohle Seite“, „Zwangseite“ und „händige Seite“ am sinnvollsten. Wie und warum zeige ich dir hier:

Das ist mein „Strichpferdchen“ Anton. Er wird uns beim Thema „Schiefe“ begleiten.

Mein gezeichnetes Pferd ist von Natur aus leicht nach links gebogen. Also ist es auf der linken Seite hohl. Dies liegt daran, dass die Muskulatur auf der linken Seite leicht verkürzt ist. Becken und Schulter nähern sich an. Auf der rechten Seite sind die Muskelstrukturen von Anton etwas mehr gedehnt. Warum das so ist, ist bis jetzt noch nicht vollkommen erforscht. Eine Theorie, die ich persönlich für sinnvoll halte, ist, dass das Pferd schon so gebogen im Mutterleib liegt und die Muskeln sich von Anfang an an diese Haltung gewöhnt haben. Möchte ich Anton jetzt nach rechts biegen, wird er das als unangenehm empfinden. Ich muss ihn eher zwingen, sich hier zu biegen, daher „Zwangseite“. Gegenüber der hohlen Seite ist in der Regel das bevorzugte Vorderbein. Bei Anton das rechte Vorderbein. Anton ist also ein Rechtshänder. Auch in der Pferdewelt gibt es mehr Rechts- als Linkshänder.

Aber warum ist es denn jetzt so wichtig, zu wissen, ob mein Pferd schief ist und auf welcher Seite? Das ist darum so wichtig, weil wir ja lange was von unserem Pferd haben wollen und es lange gesund bleiben soll. Solange das Pferd nur auf der Koppel steht und vielleicht ab und zu mal ins Gelände geht, mag die Schiefe nicht so sehr von Bedeutung sein.
Wollen wir aber in der Bahn reiten oder longieren, also auf einem Kreis unterwegs sein, macht die Schiefe gewaltig was aus! Würden wir sie nicht korrigieren, droht ein vorzeitiger Verschleiß der Gelenke. Vielleicht treten auch undefinierbare Lahmheiten auf, aufgrund von Muskelverspannungen oder ähnliches.

Wie läuft denn unser links hohles Pferd auf dem Zirkel? Auf der linken Hand ja eigentlich ganz gut. Es kann die Linie gut halten, hat eher die Tendenz, den Zirkel zu vergrößern, schafft es im richtigen Handgalopp anzuspringen, sieht doch ganz passabel aus.
Und rechts rum?
Ja, das ist schon schwieriger. Da will Anton immer nach innen kommen, manchmal sogar von alleine einfach die Hand wechseln. Es ist schwierig ihn auf der Zirkellinie zu halten und außerdem stellt er den Kopf nach außen. Ganz oft galoppiert er auch falsch an.
Und genau das liegt an der Schiefe!

Stellen wir uns jetzt das links hohle Pferd auf der rechten Hand auf dem Zirkel vor.

Schiefes Pferd auf dem Zirkel

Taadaaaa!!! Da ist Anton wieder! Er ist aber auch verdammt schief! Sieht ziemlich ungemütlich aus, wie er so läuft. Das Gewicht hängt die ganze Zeit auf dem rechten Vorderbein und er drängelt immer nach innen. Außerdem sieht es so aus, als wenn er zwischen Hals und Widerrist durchgebrochen ist. Den Kopf nimmt er auf dieser Seite auch nicht runter. Puh! Und nun?

Wenn du dein Pferd mit Anton vergleichst, kannst du jetzt herausfinden, auf welcher Seite dein Pferd hohl ist? Wenn ja, heißt es nun vernünftig arbeiten und die Schiefe korrigieren, damit das rechte Vorderbein entlastet wird und dein Pferd lange gesund bleibt.

Ich arbeite hier am liebsten mit dem Kappzaum.
Wie genau, das zeige ich dir in den nächsten Blogs.

Hast Du schon rausgefunden auf welcher Seite dein Pferd schief ist?
Schreibe mir doch mal, wie das bei deinem Pferd ist.

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